Flüchtlinge im Ehrenamt – Erfahrungen aus der Quartiers-Praxis

Am 29.11.2016 trafen sich die Stadtteilvernetzer im Bezirksrathaus in Plieningen, um Erfahrungen über das freiwillige Engagement von Flüchtlingen auszutauschen. Welche guten Projekte gibt es dazu auf Quartiersebene, welchen Nutzen hat das Ehrenamt für Flüchtlinge und die Einrichtungen im Quartier, wie geht man vor, wenn man das Volunteering von Flüchtlingen fördern möchte?

Erfahrungen aus erster Hand kamen von Frau Reinhold und ihrem Projekt “WE NEED YOU” , von Frau Geiger-Gerlach vom “Raumwunder” , von zwei engagierten Flüchtlingen und von Frau Gebicke von der Bürgerstiftung Stuttgart.

Das Fazit unseres Erfahrungsaustausches: das freiwillige Engagement ist eine hervorragende Möglichkeit der Integration ins Quartier und bietet Flüchtlingen, Einrichtungen und der Bürgerschaft riesige Chancen. Siehe dazu auch den Artikel in der Stuttgarter Zeitung über unser Treffen.

Flüchtlinge lernen durch ihr Engagement unterschiedliche Bürger/innen kennen, knüpfen Kontakte in die Gesellschaft hinein, sammeln neue Arbeitserfahrungen, verbessern ihre Sprachkenntnisse, lernen Einrichtungen von innen kennen und haben Spaß am Engagement. Gut ist auch, dass das Ehrenamt unabhängig vom Flüchtlings- bzw. Aufenthaltsstatus ist – jeder , der hier ist, kann mitmachen. Herr Behtash und Herr Kujabi, beides Flüchtlinge, betonten, wie wichtig das Volunteering für sie ist. Es wurde bedauert, dass es nicht mehr Möglichkeiten gibt, sich einzubringen und dass viele Flüchtlinge noch zu wenig über das Vorlunteering wissen: wen können sie ansprechen? Wer hilft ihnen weiter? In welchen Einrichtungen kann man sich ehrenamtlich engagieren?

Die Einrichtungen ihrerseits profitieren von der Hilfe der Flüchtlinge, von deren persönlichen Erfahrungen und dem interkulturellen Austausch. Ein Vorreiter in Stuttgart ist das bhz, das den Bundesfreiwilligendienst auch für Flüchtlinge anbietet, – nicht alle Organisationen nutzen diese Möglichkeit.

Die Stadt Stuttgart hat – so das Ergebnis der Diskussion – noch kein flächendeckendes Konzept für die Integration von Flüchtlingen über das Ehrenamt. Es gibt derzeit einzelne Aktivitäten und Erfahrungen in unterschiedlichen Bezirken , vor allem in Plieningen oder im Generationenhaus Heslach, aber noch kein Gesamtkonzept. Es kam die Idee auf, dass sich eine Person/eine Gruppe in den Flüchtlingsfreundeskreisen auf das Thema “Ehrenamt für Flüchtlinge” spezialisieren könnte, um vor Ort in den Flüchtlingsunterkünften weiterhelfen zu können. Auch Plakate in den Einrichtungen oder sonstiges Infomaterial wäre wichtig.

Hürden für das freiwillige Engagement von Flüchtlingen sind: mangelnde Sprachkenntnisse und mangelndes Wissen über Engagementmöglichkeiten auf Flüchtlingsseite, zu wenig Zeit für die Betreuung von Freiwilligen auf der Einrichtungsseite. Dabei ist die Bandbreite dessen, was Flüchtlinge machen können, sehr groß: gerade in der Jugend- und in der Seniorenarbeit, aber auch im Sportbereich, in der Umweltarbeit können sie wertvolle Erfahrungen einbringen und die interkulturelle Perspektive stärken.

Ein wichtiges Fazit war auch folgendes: die Flüchtlingsfreundeskreise leisten tolle Arbeit in den Einrichtungen und sind auf die Erstbetreuung spezialisiert. Man bräuchte aber auch Freiwillige oder extra Freiwilligenkreise, die sich stärker um die Integration der Flüchtlinge ins Quartier kümmern. Hier gibt es noch viel zu tun – die Stadtteilvernetzer bleiben inhaltlich am Thema dran.

Herzlichen Dank an alle, die am 29. November dabei waren und ihre Erfahrungen mit anderen teilten.

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