Mitte März lud das mobile Generationenhaus Möhringen, das kein Haus aus Stein ist, sondern ein Netzwerk aus gemeinnützigen Organisationen, Bürgern und dem Bezirksamt, die Bürgerschaft zur Projektewerkstatt “Gemeinsam leben in Möhringen” ein. Finanziert wurde die Werkstatt von der Bürgerstiftung und der Wüstenrot-Stiftung.
Den Auftakt des Tages bildete der Vortrag von Frau Prof. Althaus von der FH Esslingen über das Thema: “Zukunft gestalten vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Zeit: Familien im Wandel, Inklusion, Interkulturalität”. Sie zeigte mit vielen Daten auf, wie sich die Familie wandelt und welche Unterstützung Familien heute brauchen, um den Alltag zu bewältigen: Zeit, Geld, Infrastruktur, Vernetzung und Informationen über örtliche Angebote. Gleichzeitig sind die meisten Stadtbezirke mit dem demographischen Wandel konfrontiert, der neue Wohnformen und generationenübergreifende Kontakte erfordert, um miteinander im Gespräch zu bleiben. Ältere, die häufig an entscheidenden Positionen sitzen, brauchen mehr Kontakt zu Jugendlichen. Diese wiederum brauchen positivere Bilder vom Alter. Kontakte sind nicht nur zwischen den Generationen notwendig, sondern auch zwischen den unterschiedlichen Schichten und Nationalitäten. Das Milieu anderer Menschen zu kennen und zu schätzen, ist wichtig für ein gutes Miteinander im Stadtbezirk.
Nach dem Vortrag waren die Bürger und Bürgerinnen eingeladen, ihre Ideen einzubringen. Es wurden fünf Arbeitsgruppen gebildet: die AGs “Kümmern und Tun”, “Lernen und Austausch”, “Willkommenskultur”, “Leben und Wohnen” und “Netzwerke”, die jeweils von Moderatoren begleitet wurden. Bei den Teilnehmern herrschte Übereinstimmung, dass neue Beziehungen und Vernetzungen zwischen Alt und Jung, zwischen frisch Zugezogenen und Alteingesessenen, zwischen Flüchtlingen und Einheimischen, aber auch zwischen sozialen Diensten bzw. Vereinen und der Bevölkerung sehr wichtig sind für die Zukunft des Stadtbezirks.
Viele Ideen wurden gesammelt, u.a. wurde die Idee für eine Tauschbörse eingebracht und für gemeinsame Freizeitaktivitäten von Alt und Jung wie gemeinsames Kochen oder Nähen.
Um einen Überblick über alle zivilgesellschaftlichen Aktivitäten in Möhringen zu erhalten und Akteure zusammenzubringen, um sich kennenzulernen und Infos auszutauschen, wurde eine Vernetzungsveranstaltung für alle Aktiven im Bezirk vorgeschlagen. Diese soll nun von der AG “Netzwerke” der Projektewerkstatt organisiert werden, so wie auch die anderen AGs ein oder zwei konkrete Projekte weiterverfolgen.
In der Diskussion wurde auch deutlich: vieles kann im Stadtbezirk durch bürgerschaftliches Engagement und eine gute Kooperation mit den professionellen Diensten gestemmt werden. Dennoch darf die Stadt nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden. Ein professioneller Stadtteilvernetzer im Bezirk oder zumindest ein Etat für den Aufbau von Beziehungen und Netzwerken im Stadtteil für die Akteure, die an dieser Aufgabe mitwirken, sollte im Blick bleiben. Ebenso brauchen Ehrenamtliche noch mehr Unterstützung bei ihrer Tätigkeit, u.a. fachliche Beratung und Supervision.
Am Rande des 3. Treffens der Stuttgarter Stadtteilvernetzer in Heslach kam ein bemerkenswertes Projekt zur Sprache, das gerade den generationenübergreifenden Aspekt des Bürgerengagements im Quartier sehr schön unterstreicht. Gudrun Kubillus-Mader von SeniorenNet Stuttgart, einer Interessengemeinschaft, die zu einer der sehr aktiven Initiativengruppen im Generationenhaus Heslach gehört, erzählte über das Heslacher Storycaching:
– ein Projekt, initiiert vom Jugendhaus Heslach, bei dem Jugendliche im gemeinschaftlichen Zusammenwirken mit Aktiven im SeniorenNet Stuttgart ein zukunftsorientiertes Quartierskonzept umsetzen;
– ein Projekt, bei dem sich Jung und Alt einer gemeinsamen Aufgabe widmen und damit eine Idee verwirklichen, die in Zukunft aus unserem Alltagsleben der Bürger nicht mehr wegzudenken ist.
Man kann nur untermauern: zur Nachahmung empfohlen.
Wer mehr über das Projekt wissen möchte, findet hier weitere Informationen. Und wer alles über das Storycaching erfahren möchte, darf sich gerne an Stefan Pförter vom Jugendhaus Heslach – info(at)storycaching.de – wenden.
Geocaching ist den meisten von uns inzwischen bekannt: eine GPS-Schnitzeljagd – eine Form der elektronischen Schatzsuche mittels geografischer Koordinaten, die im Internet abgerufen werden.
Storycaching hingegen ist noch relativ neu, doch die Idee dahinter ist dem Geocaching abgeguckt. Dabei werden bspw. Geschichten und die Geschichte eines Stadtteils an bestimmten Stellen im Quartier “digital“ versteckt. Aufgespürte Koordinaten, die ebenfalls im Internet veröffentlicht sind, geben dabei Hinweise auf den Standort, wo die Botschaften mittels Smartphone oder Tablet-PC aufgerufen werden können. Wenn man so will, ist dies eine moderne Stadtführung auf elektronischem Weg über einen Weg, der real begangen wird.
Das Heslacher Storycaching ist ein Projekt, das innerhalb von drei Jahren eine komplette Stadtteilführung via elektronische Medien ermöglichen wird. Mit Förderung durch den Projektmittelfond “Zukunft der Jugend“ wird das Heslacher Storycaching derzeit vom Jugendhaus Heslach zusammen mit dem SeniorenNet Stuttgart entwickelt. Unterstützend sind das Generationenhaus Heslach, die Kindertagesstätte “Wilde Wanne“, die Geschichtswerkstatt Süd und der Bezirksbeirat Süd beteiligt.
Speziell die Zusammenarbeit von Jugendlichen und Senioren gibt dem generationenübergreifenden Projekt einen besonderen Stellenwert: Die Geschichte über Heslach wird so aus der Perspektive von jungen Menschen und älteren Bürgern gleichermaßen interessant und über einen modernen, zukunftsweisenden Informationsweg geschildert.
Beim letzten Treffen der Stuttgarter Stadtteilvernetzer in Heslach wurde an einem der Runden Tische die Frage diskutiert, wie gute Rahmenbedingungen für das freiwillige Engagement geschaffen werden können. Tina Syring vom Gebrüder Schmid Zentrum im Generationenhaus Heslach hat die Ergebnisse der Diskussionsgruppe “Steuerung vs. Autonomie – wie können Handlungsspielräume für Freiwillige aussehen?” für unser Blog zusammengefasst.
Welche Voraussetzungen sind wichtig, damit sich Bürger und Bürgerinnen mit ihrem Engagement aktiv einbinden und beteiligen können?
Konkrete Projekte: Wer sich ehrenamtlich engagieren will, möchte dies für ein konkretes Projekt tun. Außerdem spielt eine große Rolle, wer sonst noch beteiligt ist.
Netzwerke: Das Bedürfnis, Teil eines Netzwerks zu sein, ist ein wichtiger Motor für ehrenamtliches Engagement.
Konkrete Ansprechpartner und klare Strukturen: Eine wichtige Voraussetzung für ehrenamtliches Engagement sind konkrete Ansprechpartner mit hoher Präsenz (d. h., als Ehrenamtlicher weiß ich, wann ich mich an wen mit meinen Anliegen wenden kann) sowie klare Strukturen beim Anbieter des ehrenamtlichen Projekts.
Gewinnung von Ehrenamtlichen: Es ist eine hohe Sensibilität gefordert, interessierten Personen Aufmerksamkeit entgegenzubringen, ohne sie zu bedrängen (>>>Schulungsbedarf für “Akquisiteure“).
Regelmäßiges Infocafé Ehrenamt: Umgesetzt im Degerlocher Frauenkreis – es findet jeden Monat ein fester Termin statt (Verbindlichkeit!). Das Beispiel zeigt, dass es nicht nur für “Neue“ Infomöglichkeiten geben muss, sondern vor allem auch verbindliche Treffen für Engagierte zum Austausch.
Interessierte und Projekte zusammenbringen: “Wie kitzle ich heraus, was Interessierte wirklich wollen?“ – Bedarf und Interessen müssen koordiniert werden.
Finanzielle Unterstützung von Ehrenamtlichen: Ehrenamt wird häufig als Einstieg in neue Tätigkeiten verstanden und als Möglichkeit, etwas “Taschengeld“ dazu zu verdienen. Spannungsfeld! (Ergebnis der Diskussionsrunde “Monetarisierung des Ehrenamts” am Runden Tisch).
Jüngere und junge Menschen für das Ehrenamt gewinnen: Die Altersgruppe der Ehrenamtlichen muss dringend erweitert werden, um dem Bedarf gerecht zu werden. Wie kann man diese Zielgruppe erreichen? Was ist deren persönlicher Gewinn? Wo sind Orte, wo man sie erreichen kann?
Ehrenamt braucht Beständigkeit: Ob mehr oder weniger Zeit aufgewandt wird – ohne Beständigkeit und Verbindlichkeit ist ehrenamtliche Arbeit nicht möglich.
Außerdem wurden die zwei folgenden Themen angesprochen:
Infrastruktur im Stadtteil am Beispiel Einzelhandel: Um die Lebendigkeit im Stadtteil zu erhalten, ist der Einzelhandel sehr wichtig. Das setzt jedoch voraus, dass die Bürger dort auch regelmäßig umfassend einkaufen (und nicht nur zusätzliche Einzelprodukte).
“Wie bringt die Stadt die Leute über die Berge“: Ohne öffentliche finanzierbare Verkehrsmittel ist Mobilität in einer Stadt wie Stuttgart nicht möglich. Welche Möglichkeiten gibt es, dieses Thema in den Gemeinderat zu tragen?
Viele Interessierte kamen zum dritten Treffen der Stuttgarter Stadtteilvernetzer, das nach Möhringen und Degerloch nun in Heslach stattfand. Wir waren 26 Menschen aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen: bürgerschaftlich Engagierte, Mitarbeiter aus sozialen Diensten, Vertreter von Stiftungen, Seniorenräte, ein Mitglied des Heslacher Bezirksbeirats, Vertreter von Begegnungsstätten – die Voraussetzung, von ganz unterschiedlichen Menschen und Projekten zu lernen, war sehr gut gegeben.
Tina Syring stellte das Generationenhaus Heslach vor, in dem wir zu Gast waren, und die Tätigkeit des Gebrüder Schmid Zentrums: Über 60 Gruppen und Vereine nutzen die Räumlichkeiten des Zentrums – über 3.000 Veranstaltungen finden hier jährlich statt. Sie basieren zum größten Teil auf freiwilligem Engagement von Bürgerinnen und Bürgern. Einige Ehrenamtliche des Generationenhauses stellten sich vor und erzählten, weshalb sie sich engagieren. Aus den Beiträgen hörte man heraus, dass der Wunsch, Gutes zu tun und neue Menschen kennenzulernen, wichtige Antriebe sind. Es wurde auch deutlich, dass das Engagement gefördert wird durch Freiräume und eine unbürokratische Atmosphäre, die dem Freiwilligen das Gefühl gibt, sich im Haus wirklich mit eigenen Ideen einbringen zu können.
Solch verlässliche “Andock-Stellen“ für das bürgerschaftlichen Engagement – ob dies nun Institutionen sind wie das Generationenhaus Heslach, Gemeindezentren, echte oder virtuelle Netzwerke – braucht es in den Stadtbezirken ganz dringend.
Alexander Gunsilius vom Sozialamt Stuttgart berichtete, dass in einigen Stuttgarter Stadtteilen Projekte gestartet sind, um neue Beziehungen zwischen den Stadteilbewohnern aufzubauen, generationen-, milieu- und nationalitätenübergreifend. In Raitelsberg, in der Neckarvorstadt, auf dem Hasenberg, bald auch in Münster und schon seit einem Jahr in Heslach gibt es solche Projekte. In Heslach bildeten sich unter dem Motto “Heslach im Blick“ vier Arbeitsgruppen, die unterschiedliche Themen bearbeiten (öffentlicher Raum, Wohnen, funktionierende Nachbarschaften, Heslach feiert). Hier arbeiten Bürger, gemeinnützige und städtische Vertreter, die lokale Wirtschaft und die Politik zusammen, um nach Möglichkeiten der Vernetzung zu suchen und konkrete Aktionen zu starten. Wichtig ist die Unterstützung durch die lokalen Mandatsträger – in Heslach begrüßt der Bezirksbeirat die Vernetzungsprojekte, der Bezirksvorsteher leitet selbst eines der Themen.
Für alle Aktivitäten ist die freiwillige Mitarbeit von Bürgerinnen und Bürgern unerlässlich, so dass das Thema “Bürgerengagement ermöglichen” im Mittelpunkt steht und auch bei den Stadtteilvernetzern an drei Runden Tischen diskutiert wurde. Monetarisierung des Ehrenamts, Steuerung vs. Autonomie, öffentliche Präsenz im Internet – zu diesen Themen wurden Meinungen ausgetauscht. Dass das Thema “Bürgerengagement ermöglichen“ die Stadtteilvernetzer weiter begleiten wird, stand für alle außer Frage.
In der abschließenden Runde wurden Pläne geschmiedet für unser nächstes Treffen, das am 27. Mai ab 17.15 Uhr in Feuerbach im Quartiershaus des “Feuerbacher Balkons“ stattfinden wird, das von der Samariterstiftung betrieben wird. Bleiben Sie informiert und planen Sie schon jetzt einen Besuch bei den Stadtteilvernetzern Ende Mai ein. Wir freuen uns!
Zum Treffen der Stuttgarter Stadtteilvernetzer am
Dienstag, 4. Februar 2014, ab 17.15 Uhr
im Generationenhaus Heslach, Gebrüder-Schmid-Weg 13
laden wir herzlich ein. Das Programm beginnt um 17.30 Uhr. Es verschafft uns einen Überblick über Heslacher Vernetzungsprojekte und stellt das Thema “Bürgerengagement ermöglichen” in den Mittelpunkt. Alle die in der Stadtteilvernetzung tätig sind, egal ob bürgerschaftlich, gemeinnützig oder städtisch, sind herzlich zum wechselseitigen Kennenlernen, sich austauschen und zum Wissenstransfer eingeladen.
Vorstellung des Generationenhauses und des Gebrüder Schmid Zentrums (vormals: Initiativenzentrums) (Frau Syring)
“Heslach im Blick” – Vorstellung lokaler Vernetzungsprojekte (Herr Gunsilius)
Wie wichtig sind lokale Anlaufstellen für Bürgerengagement?
Müssen dies zwingend konkrete Räume sein?
Welche alternativen Andock-Strukturen sind denkbar und werden in Stadtbezirken schon angeboten?
Danach werden sich eine handvoll Freiwilliger vorstellen, die im Generationenhaus aktiv sind und ihre Motivation darlegen. Dies führt uns mitten ins Thema “Bürgerengagement ermöglichen”. Dazu wollen wir an drei Runden Tischen drei Themen diskutieren:
Monetarisierung: Wer bezahlt Freiwilligen wieviel? Wie wirkt sich dies in der Praxis aus?
Steuerung vs. Autonomie: wie können Handlungsspielräume für Freiwillige aussehen?
öffentliche Präsenz: oftmals fehlt eine Präsenz von Einrichtungen/Initiativen im Netz, so dass potentiell Freiwilligen Informationen fehlen. Wie könnte man dieses Defizit abbauen bzw. mehr Öffentlichkeit schaffen?
Kommen Sie zahlreich und machen Sie mit bei diesem Vernetzungsversuch der Stuttgarter Stadtteilvernetzer – wir freuen uns.
Das Interesse für gemeinschaftliches Wohnen ist da, – gestern Abend besuchten rund 50 Bürger/innen die gleichnamige Abendveranstaltung in Möhringen, die vom Netzwerk Neue Nachbarschaften organisiert worden war. Das Publikum war überwiegend weiblich und sehr motiviert.
Im offenen Vernetzungsteil des Abends formulierten acht Teilnehmer/innen ein starkes persönliches Interesse am Thema ‘Baugemeinschaften’ und auch das städtische Grundstück, das in Möhringen für Baugemeinschaften zur Verfügung steht, stand im Fokus der Aufmerksamkeit, ebenso wie das Thema “generationenübergreifendes Wohnen”. Wir versuchen nun, aus diesen Interessenten ein Netzwerk zu bilden, das sich selbst organisiert, um im Hinblick auf gemeinschaftliches Wohnen handlungsfähig zu werden.
Welche weiteren Erkenntnisse können wir aus dieser Veranstaltung Stadtteilvernetzern in anderen Stadtbezirken weitergeben?
Die Referenten des gestrigen Abends – Herr Link vom Paritätischen Bildungswerk und eine Vertreterin der Baugemeinschaft “lichtbau” aus Holzgerlingen – zählten mehrere Aspekte auf, die notwendig sind, wenn aus einer Bauinitiative auch ein erfolgreiches Bau- und Wohnprojekt werden soll:
Man benötigt eine aktive Kerngruppe, die ein Projekt forciert. Es gibt viele, die anfangs Interesse zeigen, aber von Dutzenden Interessierten bleibt zumeist nur eine Kerntruppe übrig, auf deren Handeln es ankommt.
Eine Initiative, die Bauwillige zusammenführt, benötigt Ausdauer, Offenheit für neue Personen und eine gewisse Risikofreude.
Ein Grundstück muss gefunden werden. Oftmals sind hier Kompromisse notwendig, da es den “perfekten Platz” zumeist nicht gibt. Die Finanzierung des Projekts muss sicher stehen.
Die Baugemeinschaft in Gründung braucht eine gute professionelle Begleitung und politische und administrative Unterstützung seitens der Kommune.
15-30 Mitmach-Parteien sind nach den Erfahrungen der Genossenschaft “pro…gemeinsam bauen und leben e.G.” eine gute Zahl für Baugemeinschaften. Sind die Bau-Gruppen kleiner, wächst die Gefahr von internen Konflikten.
Sozial ausgewogene Projekte sollten immer auch Mietwohnungen vorsehen, um Menschen mit weniger Einkommen ein gemeinschaftliches Wohnen zu ermöglichen.
Gemeinschaftliches Wohnen eröffnet auch jenen neue Perspektiven, die einen erhöhten Unterstützungsbedarf haben, seien es Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderungen und Menschen in schwieriger sozialer Lage.
Herr Link stellte die These auf, dass zukünftig immer mehr Menschen das gemeinschaftliche Wohnen wählen werden, er geht von einem 10%igen Bevölkerungsanteil aus. Jedenfalls bietet das gemeinschaftliche Wohnen die Chance, Hilfsnetzwerke unter den Bewohnern aufzubauen. Entsprechende Hilfsnetzwerke, ob ambulant oder im Rahmen eines Wohnprojekts, werden durch den demografischen Wandel verstärkt notwendig werden.
Schon im vergangenen Mai organisierte das Möhringer Bürger-Netzwerk ‘Frisch im Ruhestand’ (das nun “Netzwerk Neue Nachbarschaften” heißt) eine morgendliche Informationsveranstaltung zum Thema ‘gemeinschaftliches Wohnen’ , bei der Frau Gerngroß-Haas, die Sprecherin der “Stuttgarter Plattform für selbstorganisiertes gemeinschaftliches Wohnen” in das Thema einführte und Architekt Rudolf das generationenübergreifende Haus Weitblick in Herrenberg vorstellte. Im Anschluss an die Veranstaltung fand sich eine Arbeitsgruppe aus Netzwerkmitgliedern und Gästen zusammen, die das Thema ‘neue Wohnformen’ im Stadtbezirk weiterverfolgen wollte. Es wurde beschlossen, eine größere Abendveranstaltung zu organisieren, die nun am Montag, den 20. Januar 2014, um 19 Uhr, im Bürgerhaus Möhringen, Filderbahnplatz 32, stattfindet.
Herr Link vom Paritätischen Bildungswerk wird einen Vortrag über die Chancen und Herausforderungen des gemeinschaftlichen Wohnens halten, gute Beispiele zeigen und Tipps geben, wie man ein Wohnprojekt im Stadtbezirk erfolgreich initiieren und vorantreiben kann. Dann wird in einem kurzen Statement eine Vertreterin der Baugemeinschaft ‘lichtbau’ aus Holzgerlingen über ihre Initiative berichten, die sich im Planungsstadium befindet. Danach ist die Vernetzung von Bürgern und Bürgerinnen untereinander geplant, die an einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt interessiert sind, und zwar an den Thementischen SeniorenWG/generationenübergreifendes Wohnen/Wohnen innerhalb einer Generation. Auch Wohnbaugenossenschaften und soziale Träger sind zu der Veranstaltung eingeladen.
Mit dem Abend ist also der Versuch verbunden, (Bürger)Netzwerke zum Thema Neues Wohnen im Stadtbezirk und darüber hinaus zu schaffen, in der Hoffnung, dass der Termin um 19 Uhr das Kommen der erwerbstätigen Generationen möglich macht. Ob unsere Erwartungen aufgehen, wird sich zeigen. Aber es ist ein weiterer Schritt, um der Idee des gemeinschaftlichen Wohnens in Möhringen noch mehr Öffentlichkeit zu verschaffen.
So die richtige Weihnachtsstimmung sollte sich mir im vergangenen Jahr nicht offenbaren. Nein! – mit diesen Worten anzufangen, wird der Zeit, wie ich sie die letzten Wochen erleben durfte, nicht gerecht. Um ehrlich zu sein, fängt meine Weihnachtsgeschichte anders an:
So die richtige Vorweihnachtsstimmung sollte sich mir nicht offenbaren. Ich hatte beschlossen, im letzten Jahr auf den ganzen Weihnachtsrummel ganz und gar zu verzichten. So dieses gesamte Programm, was uns vor Weihnachten, an Weihnachten und nach Weihnachten vorgespielt wird. Um nur ein Beispiel rauszupicken: das in unserer Branche viel zitierte Konsumverhalten. Der Gedankenstress, was alles besorgt werden muss, an Geschenken, an Dingen und Mitteln, die für die Weihnachtstage alle benötigt werden, um dann festzustellen, dass sie nicht notwendig sind. Der Gewissensstress, was alles vergessen worden ist, an was allem gesündigt worden ist, wenn man nachdenklich die Kerzenlichter am Weihnachtsbaum flackern sieht. Der Geschäftsstress, wenn ’zwischen den Jahren’, wie die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr auch gerne genannt werden, all die Geschenke umgetauscht, all die geschenkten Gutscheine eingelöst werden müssen. Er ließe sich beliebig ausbreiten – der Weihnachtsrummel vorher, mittendrin, danach.
Ende August geht es inzwischen üblicherweise schon los, dass wir vehement an die erst Monate später bevorstehenden Weihnachtstage erinnert werden. In den Supermarktregalen tauchen plötzlich neben den Barbecue-Soßen für die anstehende Grillparty erste Lebkuchenherzen auf. Ich mag sie nicht, weder im Sommer gegrillt, noch zur Adventszeit zu einer guten Tasse Tee. Im Oktober schlagen die ersten Glühweinbuden in den einschlägigen Einkaufspassagen der Innenstadtzonen ihre Zelte auf. Ich trinke lieber einen gut gekühlten weißen Tropfen als diese klebrig-roten Heißgetränke, womöglich noch mit obenauf schwimmenden Nelken oder Zimtsternen. Im November dann gibt es gar kein Einhalten mehr, als wäre in den nächsten Wochen an jedem Tag Heiligabend. Welcher Weihnachtsschmuck, welche Weihnachtsdekoration ist dieses Mal angesagt, um dem Tannengrün des Adventskranzes oder des Weihnachtsbaumes, um der braunen Kruste des Festtagsbratens den optisch gelungenen Farbkontrast zu geben? Egal, ob es passt, Hauptsache bunt und schrill, prall und viel. Spätestens dann, mit Beginn der Adventszeit, bin ich ganz ausgestiegen, mental. Aus allen nur denkbaren Lautsprechern dröhnte das ’Alle Jahre wieder…’, schepperten die ’Jingle Bells…’, stürzte das ’Vom Himmel hoch…’ auf mich ein. Schneeflocken waren es keine, es ließ sich durchaus bei moderaten Temperaturen in Hemd und Pullover über den Weihnachtsmarkt gehen, wer wollte.
Und dann war es soweit: Der Tag der Bescherung, lange angekündigt klopfte er wie der Weihnachtsmann an die Tür. Schuldbewusst fühlte ich mich nicht, dass ich all das, was ich gemeinhin nach den gültigen Vorstellungen her machen sollte, nicht gemacht habe. Keine Geschenke verschenkt, keine Grußbotschaften verschickt, keinen Weihnachtsbaum geschmückt, keine klingenden Glocken und Lieder von fallenden Flocken gehört oder gesungen, keine Gans in den Ofen geschoben, keine Nachwehen zur Nachweihnacht erlebt.
Heiligabend sollte dann doch für mich ein Tag der ganz besonderen Bescherung werden. Vielleicht lag es an der Ruhe, an der Zeit, die ich zum Nachdenken fand? Und die mich ein wenig zur Nachdenklichkeit hinführte. Unwillkürlich erwachten Kindheitserinnerungen in mir, an Weihnachten, das seinen Zauber aus den Tagen meiner Kindheit bezog. Ganz flüchtig mit dem leisen Bedauern, dass es so wie früher nie mehr sein würde. Damals war die Vorweihnachtszeit etwas Geheimnisvolles, Erwartungsvolles, Hoffnungsvolles. Schon allein wegen der Geschenke, doch nicht nur. Der Kerzenschein, wenn man abends hinter die Fenster der Wohnungen schaute, die watteweichen Flocken, die im Licht der Straßenlaternen wirbelten, der Duft aus der Küche nach Vanillezucker, Mandeln und Nüssen, das glitzernde Lametta zwischen den Kerzen und Nadeln am nach Tannenwald riechenden Weihnachtsbaum… Und immer das Gefühl, als raschle andauernd jemand mit Geschenkpapier.
Irgendwann ertappte ich mich bei dem Gedanken, ob Weihnachtsbäume, Weihnachtsräume, Weihnachtsträume wirklich wieder das sein können, was ich als Kind damit verbunden habe. Eine Antwort darauf habe ich nicht gefunden, ich gelangte jedoch zur Erkenntnis, dass die Zeit der Besinnlichkeit mir eine gewisse Hoffnung geschenkt hat: Das Geschenk der Erinnerung an einen vergangenen Zauber, der mich innehalten, nachdenken und vielleicht auch ein wenig sehnsüchtig werden ließ. So ein wenig das Gefühl, dass beim Betrachten eines unruhig flackernden Kerzenlichts doch die Ruhe friedlicher Weihnachten erstrahlt ist…
Die Weihnachtstage sind vorbei, die Zeit ’zwischen den Jahren’ ist ebenfalls spurlos an mir vorübergezogen, auch die Schwelle des Jahreswechsels habe ich ohne nennenswerte Schwierigkeiten mutig überschritten. Ein neues Jahr hat begonnen, wie man so hört und liest, hinlänglich mit den Wünschen verknüpft, dass alles ganz anders werden möge als bisher. Auch in diese Klänge mag ich nicht einstimmen. Ich halt’s da gerne mit dem Größten der deutschen Sprache:
“Im Neuen Jahre Glück und Heil! Auf Weh und Wunden gute Salbe! Auf groben Klotz ein grober Keil, Auf einen Schelmen anderthalbe!“
Goethe sei Dank. Und meiner sei Ihnen gewiss, wenn Sie bis hierhin meinen Worten gefolgt sind.
NB.
Ein aufmerksamer Leser wird sich jetzt vielleicht fragen, was will mir der Schreiber dieser Weihnachtsbotschaft nun wirklich sagen. Soll sie jetzt schon, statt im September bereits im Januar, die Vorweihnachtsstimmung einläuten? Oder mögen sie aus dem Gefühl der Ruhe heraus, nach all dem Trubel, der um uns herum tobte, einige Worte des Grußes sein, die jetzt, gerade jetzt Balsam für ein wenig nachdenkliche Muße schenken können.
Ein Schuft, wer Böses dabei denkt: Möge mein Gruß für das neue Jahr, wenn er in dieser Zeit einen Menschen erreicht, nicht untergehen. Sondern so erlebt werden, dass er als Wunsch des Aufwärtsgehens für jeden Tag des Jahres 2014 verstanden und verinnerlicht wird. Auf alle Fälle eine gute Salbe, die wünsche ich uns allen.
Das Theaterstück „Ich bin ein Hund“ vom Theater “Samarskaya Plostschad” aus der russischen Partnerstadt Samara beruht auf der Erzählung “Der Regenbogen für einen Freund“ von Michail Samarskiy. Der heute 17-jährige Autor, der in Moskau Internationale Politikwissenschaft studiert und unter den jungen Schriftstellern Russlands inzwischen zu den Erfolgreichen zählt, schrieb seine Erzählung über einen Blindenhund bereits mit 13 Jahren. Um seine Geschichte glaubhaft erzählen zu können, hat er sich drei Tage lang unter einer Augenmaske wie ein blinder Mensch bewegt und dabei auch die einzige Blindenhundenschule Russlands in Moskau besucht.
Die Inszenierung des Ein-Personen-Stückes “Ich bin ein Hund“ von Michail Samarskiys Erzählung mit der Intendantin und Schauspielerin Natalya Nosova unter der Regie von Evgeny Drobyshev wurde am 18. Oktober 2012 im Stadttheater von Samara uraufgeführt. Seitdem wird das Theaterstück regelmäßig in Samara gespielt und inzwischen auch in anderen Städten Russlands und in Deutschland aufgeführt. In dieser Zeit hat “Ich bin ein Hund“ mehrere bedeutende Theaterpreise, u. a. in Moskau, gewonnen, und Natalya Nosova wurde im September d. J. vom Oberbürgermeister von Samara, Dimitri Asarov, für ihre ausgezeichneten Leistungen geehrt.
Natalya Nosova in “Ich bin ein Hund” Foto: Mehmet Werner, Stuttgart
Von der schauspielerischen Leistung der Künstlerin konnten sich die zahlreichen Besucher – sowohl deutsche wie auch russischstämmige – hier in Stuttgart überzeugen. Natayla Nosova spielt darin einen Hund – um genau zu sein, sie verkörperte einen Blindenhund. Das Stück wurde in russischer Sprache mit deutschen Untertiteln aufgeführt. In die Rolle eines Blindenhundes zu schlüpfen und damit sein tägliches Leben zu erzählen, ist eine bravouröse Herausforderung. Natalya Nosova spielte und erzählte sehr authentisch und mit viel Herzblut, wie ein Blindenhund ausgebildet wird, wie er alte Bürger führt, wie er durch den Tod eines blinden Menschen zu einem 13-jährigen Jungen kommt, der ihn plötzlich mit anderem Namen ruft, wie er von bösen Menschen verschleppt wird, wie er dann für kurze Zeit in der Obhut einer Familie, die mit Katzen lebt, bleibt, bin hin zu dem Schicksal, was aus einem Blindenhund wird, wenn sein Blinder Junge dank einer Operation wieder sein Augenlicht gewinnt.
Einerseits ist “Ich bin ein Hund“ eine bewegende, ja rührige Geschichte, andererseits macht das Theaterstück sehr nachdenklich: Es rückt ins Bewusstsein, wie Menschen mit Behinderung auch heute noch leben und wie es gelingen kann, diese Menschen in unser gesellschaftliches Leben verantwortungsvoll zu integrieren. Natalya Nosova: “Die Problematik unserer behinderten Welt gewinnt in Russland mehr und mehr an Bedeutung. Unser 1. Bürgermeister Dimitri Asarov unterstützt sehr aktiv die Integration Behinderter in unserer Stadt. Im Rahmen des Entwicklungsprogramms ’Wir sind verschieden – wir sind gleich’ fördert Samara eine Reihe von sozialen Projekten. Da war es für uns selbstverständlich, das auch im kulturellen Bereich mitzutragen. Und dies dann aus Sicht eines Blindenhundes zu inszenieren, hebt den Anspruch, den wir an unser Theater stellen, noch hervor.“
Unter diesem Aspekt schließt sich auch der Kreis, dass das Theaterstück “Ich bin ein Hund“ erstmalig in Stuttgart und vor allem im Generationenhaus Heslach aufgeführt wurde. In ihrer Begrüßungsansprache unterstrich die Sozialbürgermeisterin der Landeshauptstadt Stuttgart Isabel Fezer die Bedeutung solcher so genannten Inklusions-Projekte. Ihr liegt dabei besonders am Herzen, dass innerhalb unserer Gemeinschaft alle Menschen als selbstverständliche Mitglieder und Partner zusammenleben und behinderte Menschen in unsere Gesellschaftsprozesse integriert sind. “Durch unsere engen Beziehungen innerhalb der Städtepartnerschaft mit Samara sind soziale und kulturelle Projekte entstanden, die unsere Bevölkerung auf die Probleme, aber auch auf die Chancen und Lösungen von besonderen Inklusionsmodellen sensibilisiert. Dabei leistet das Theater einen wertvollen Beitrag“, so die Botschaft von Isabel Fezer anlässlich der Aufführung von “Ich bin ein Hund“. Und die persönliche Referentin des Oberbürgermeisters von Samara, Anna Samonova, die übrigens in Ludwigsburg Germanistik studierte, stellte mit ihren Begrüßungsworten nochmals die Wichtigkeit dieser und ähnlicher Projekte heraus: “Durch die guten Beziehungen zwischen Samara und Stuttgart stand dem Engagement unseres Theaters und ihrer Intendantin nichts im Wege. Für Dimitri Asarov ist es sehr wichtig, dass das Thema Integration von Behinderten, das uns in Samara sehr beschäftigt, auf diese Weise über den Weg kultureller Aspekte auch über unsere Grenzen hinweg vermittelt wird.“
Da das Thema Integration von behinderten Menschen inzwischen eine globale Aufgabe ist, macht die multikulturelle Begegnung im Generationenhaus Heslach noch wertvoller. Durch das besondere Engagement von Carola Haegele, der Leiterin des Initiativenzentrums im Generationenhaus Heslach (das seit kurzem in Gebrüder-Schmid-Zentrum unbenannt ist), kam es im Rahmen des Deutsch-Russischen Forums zu einem intensiven Kontakt des Körperbehindertenverbandes in der russischen Partnerstadt. Bei ihrem Besuch, der von vielen Gesprächen und Konferenzen zum Thema Inklusion begleitet wurde, war sie u. a. stark von der neu gestalteten Wolga-Promenade beeindruckt: “Über fünf Kilometer Länge wurde ein offener Begegnungsraum geschaffen, der barrierefrei für jeden Menschen zum attraktiven Ort der Geselligkeit am Ufer des wasserreichsten Flusses Europas geworden ist“. Und durch diese Kontakte öffnete sich nun auch der Weg für die Theateraufführung “Ich bin ein Hund“ von “Samarskaya Plostschad“.
Durch die multikulturellen Begegnungen der Künstlervereinigung “NeckArs“, bei denen es hauptsächlich um klassische Musik, um Musiktheater und anspruchsvolle Literatur geht und die intensive Kontakte zu Künstlern auf der ganzen Welt pflegen, konnte Elena Konson, die Erste Vorsitzende des engagierten Vereins “NeckArs e. V.“, ihre eingeladenen Gäste mit einer ganz besonderen Darbietung beglücken. “Es zeigte sich, wie wertvoll es ist, kulturelle Veranstaltungen, die in diesem Falle noch einen wichtigen sozialen Aspekt beinhalten, hier nach Heslach zu bringen. Mit der anschließenden offenen Begegnung aller Besucher mit den Künstlern, dem Ensemble und den offiziellen Vertretern der Stadt Samara konnte der Austausch und das Miteinander unserer Bürger gepflegt und vertieft werden“, mit diesen Worten brachte es Elena Konson auf den Punkt.
“Insgesamt“, so das Fazit von Carola Haegele, “wird mit dieser Veranstaltung einen nachhaltiger Eindruck zum Thema multikulturelle und sozial geprägte Bürgernähe vermittelt.“