Ehrenamtliche Hospizarbeit im Stadtteil – die Situation in Stuttgart

Beim Treffen der Stadtteilvernetzer Stuttgart am 4. Juli 2017 in Zuffenhausen befassten wir uns mit dem Thema: ehrenamtliche Hospizarbeit und Netzwerke im Quartier, – was gibt es in den Stadtteilen? Was fehlt noch? Was müsste auf Stadtteilebene in diesem Themenfeld noch weiterentwickelt werden? Welche Ideen und Anregungen gibt es für diese räumliche Ebene, wenn es um die ehrenamtliche Hospizarbeit geht?

Drei Gäste stellten Beispiele aus der freiwilligen Hospizarbeit im Stadtteil vor:

Frau Kling von der ambulanten Hospizgruppe Zuffenhausen informierte mit viel Herzblut über ihre Gruppe, die seit 17 Jahren existiert und 17 Aktive umfasst. Die Gruppe unterstützt mit ihrem Engagement den Wunsch Sterbender, zu Hause oder „wie zu Hause“ sterben zu dürfen. Die Vision dahinter ist die Vorstellung von einem „Leben in Fülle“ auch in der Sterbephase. Die Ehrenamtlichen, die die Sterbebegleitung machen, werden entsprechend geschult. Der wichtigste Kooperationspartner für die Fortbildungen ist das katholische Hospiz St. Martin. Im Stadtbezirk Zuffenhausen organisiert die Gruppe jährlich drei Vorträge zum Thema „Sterben“, die immer gut besucht sind. Das Thema muss Frau Kling zufolge im Stadtteil immer wieder aufgebracht und diskutiert werden, um es bekannt zu machen und Hemmschwellen abzubauen. Deshalb ist auch die Stadtteilrunde in Zuffenhausen für Frau Kling ein sehr wichtiges Gremium, denn hier erreicht sie alle Akteure im Bezirk und kann für ihr Thema werben.

Herr Fischer-Romer vom Arbeitskreis Sterben und Leben der katholischen Liebfrauenkirche in Bad Cannstatt berichtete, dass der Arbeitskreis, dessen Moderator er ist, seit 25 Jahren existiert. „Leben bis zuletzt“, – das ist das Motto dieser Sitzwachengruppe, die derzeit 10 Personen umfasst und 30-40 Menschen pro Jahr in deren Sterbephase begleitet. In den vergangenen 25 Jahren habe sich das Feld der „Palliativ-Versorgung“ auch in Stuttgart grundlegend verändert: es fand eine Professionalisierung statt und viele medizinische Dienste und Abteilungen wurden gegründet. Als der AK Sterben und Leben seinerzeit startete, gehörte er zu den „Pionieren“ in der Hospizarbeit. Der ehrenamtliche bzw. bürgerschaftliche Charakter dieser Gruppe soll erhalten bleiben. In fachlichen und organisatorischen Fragen wird der Arbeitskreis unterstützt vom Hospiz St. Martin in Degerloch. Für Herrn Fischer-Romer ist eine Vernetzung des Arbeitskreises mit anderen Institutionen und Netzwerken im Quartier sehr wichtig. Es gehe heutzutage für Kirchengemeinden darum, sich nach außen zum Gemeinwesen hin zu öffnen. In der katholischen Kirche in Stuttgart ist diese Öffnung auf jeden Fall ein Thema, das forciert wird.

Das ambulante Erwachsenenhospiz und die Sitzwachengruppen des Hospiz Stuttgart wurden von Frau Dr. Pfeffer vorgestellt. Über hundert geschulte  Ehrenamtliche stehen in beiden Bereichen zur Verfügung, um Sterbende zu Hause sowie in Altenheimen und Krankenhäusern zu begleiten. Sowohl die onkologischen Patienten als auch die multi-morbiden Menschen, die im Sterben liegen, werden von den Ehrenamtlichen psychosozial begleitet. Gemeinsam mit dem ambulanten ehrenamtlichen Dienst des Hospiz St. Martin kann das Hospiz Stuttgart die hiesigen Krankenhäuser und Altenheime mit ehrenamtlichen Sterbebegleitern versorgen. Sehr wichtig ist auch die Betreuung der Angehörigen und die Trauerarbeit, – ein Aspekt, den Frau Kling und Herr Fischer-Romer bekräftigen. Derzeit werden vom ambulanten Erwachsenenhospiz und von den Sitzwachen insbesondere Freiwillige mit Migrationshintergrund gesucht.  Die kultursensible Betreuung Sterbender aus anderen Ländern und Kulturen wird immer wichtiger. Das Hospiz Stuttgart ist mit seinen Angeboten stadtweit gut vernetzt. Was die Quartiersorientierung angeht, so möchten viele Freiwillige gar nicht in ihrem eigenen Sprengel tätig werden, sondern lieber in einem ganz anderen Stadtteil, – das ist je nach Person sehr unterschiedlich.

Generell wünschen sich alle drei Vortragenden, dass sich die Familien und auch die Heime frühzeitig an die ehrenamtlichen ambulanten Hospizgruppen wenden und nicht erst dann, wenn der Sterbeprozess schon so weit fortgeschritten ist, dass die Hilfe nur noch in kleinem Rahmen geleistet werden kann.

Die Diskussion ergibt, dass für die Förderung der ehrenamtlichen Hospizarbeit im Stadtteil die folgenden Punkte wichtig sind:

  • die Themen „Sterbebegleitung“ und „Tod und Trauer“müssen im Quartier bekannt sein und öffentlich immer wieder auf die Agenda gesetzt werden
  • Es braucht Menschen im Stadtteil, die als „Treiber“ und „Kristallisationspunkte“ des Themas wirken
  • die Vernetzung im Stadtteil mit anderen Akteuren, Institutionen und Vereinen ist sehr wichtig, um die Gesellschaft in der Breite zu erreichen
  • Die Kirchen spielen eine sehr wichtige Rolle als Multiplikator. Aber auch konfessionsfreie Angebote und Multiplikatoren sind in einer säkularisierten und mulitkulturellen Gesellschaft wichtig.

Wer am Thema dran bleiben möchte, ist herzlich zu einer Veranstaltung des Palliativ-Netzes Stuttgart am 21.11.2017 eingeladen mit dem Titel „Sterben im Stadtviertel“. Auf dem Podium wird u.a. Henning Scherf vertreten sein. Wer bei der Vorbereitung dieses Podiums- und Publikumsgespräches mitwirken will, möge bitte Kontakt zu Frau Gebicke von der Bürgerstiftung Stuttgart aufnehmen, die das Palliativ-Netz Stuttgart koordiniert: 0711 – 722 351 104. Sie nimmt Interessierte auch gerne in den Verteiler des Palliativ-Netzes auf.

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